25.12.2016

Flug nach Málaga, mit dem Mietauto, einem Fiat 500, welchen ich als „No Go“ beim Einsteigen bezeichnete, auf nach Tarifa. Abflug München war 13:40 Uhr und 17 Uhr die pünktliche Landung. Mietauto abfassen und ca. 90 Minuten mit dem Auto nach Tarifa km 78. 19:15 waren wir vor Ort. An der Rezeption konnte man uns für den kommenden Tag zum Thema Reiten keine Information geben.

Untergebracht waren wir im Hurricane Hotel, mit großem Schlafzimmer und gepflegtem Bad. Das Abendessen im Hotel war ausgezeichnet.

 

26.12.2016

Acht Uhr auf zum Frühstück. Ein tolles reichhaltiges Buffet. Was uns besonders gefallen hat war das reichhaltige Obstangebot, speziell für Leute, welche zum Frühstück nur Obst mögen. Vor und nach dem Frühstück auf zum Reitstall, welcher nur 60 Schritte vom Hotel entfernt liegt. Niemand anzutreffen, was nun? Nach dem dritten Versuch hat es geklappt. Und es stellte sich heraus, dass wir die Reitstallbesitzerin am Vorabend einfach nur um 15 Minuten verpasst hatten. Da wir das Große Sternrittprogramm mit fünf Reittagen gebucht hatten, haben wir uns auf heute nochmals frei und dann auf die nächsten fünf Tage verständigt und für den ersten Tag Treffpunkt 8 Uhr 30 am Stall erhalten. Da die erste Tour über Mittag ins Gelände gehen würde, hat man uns empfohlen, Mittagsbrotzeit/Tagesverpflegung für einen selbst und einige Leckerbissen wie Äpfel für die Pferde mitzunehmen.  (www.tarifahip.com)

 

Reittag 1: 27.12.2016

Ziel die Dünen von TARIFA

Um 8 Uhr 30 beim Stall zu sein, haben wir den Wecker auf 7 Uhr gestellt. Dann ab zum Frühstück mit viel Obst und anschließender „Plünderung“ von Käse und Wurst für das Mittagessen. Scharfe Salami und Ziegenkäse. Für die Pferde haben wir je zwei Äpfel als „Belohnung“ eingepackt. Gut gerüstet waren wir pünktlich am Stall. Kurze Begrüßung, die Pferde waren bereits von der Weide geholt und in den Boxen. Wir waren vier deutschsprachige Reitgäste, Sahra aus Deutschland als Reitgehilfin und Klaartje, die Besitzerin und Reitführerin aus den Niederlanden, welche  hervorragendes Deutsch spricht. Nach kurzer Einführung in die Gepflogenheiten wurden uns die Pferde zugeteilt, vier Andalusier und zwei Araber/Andalusier in sehr guter optischer Verfassung.

Pferdepflege: keine Besonderheiten

·        Hufe auskratzen, die Pferde laufen barfuß

·        Pferde striegeln

Aufsatteln duften wir selbst. Die Sattelkammer ist super aufgeräumt und auch das Zaumzeug – Hackamore – in sehr gutem Zustand.

Nach dem Satteln mit Iberischen bzw. Westernsätteln und dem Aufzäumen wurden bei den Pferden die Vorderbeine gestreckt, um Falten durch den Sattelgurt zu vermeiden.

Reitmethode: Westernstil, einhändig oder beidhändig in allen Gangarten. (Impulsreiten)

Aufsteigen und raus aus dem Vorhof. Klaartje reitet vorne weg und Sahra macht das Schlusslicht, schließlich weiß noch niemand, ob wir „Reiter“ wirklich reiten können. Der Trip führt uns unter der Schnellstraße hindurch in die vom Meer abgewendete Seite. Gemütlich geht es im Schritt durch Gebüsch, Wiesen, felsige Passagen über kleine Bäche und offene Strecke ca. 5 km in Richtung Westen, dann geht es wiederum durch eine Unterführung. Wir haben einen tollen Sandstrand vor uns. Am Strand waren extrem viele Wind- und Kite-Surfer, was die Pferde in keiner Weise beunruhigte. Sie waren offenbar dieses Szenario gewöhnt. Nach  Schritt und Trab war es jetzt an der Zeit zu galoppieren. Ein tolles Erlebnis für mich, entlang des Meeres, ein tolles Pferd unterm Hintern mit einem absolut weichen Galopp. Toll, ein Pferd, das in allen Gangarten harmonische Bewegungsabläufe hat. Am Ende der Galoppstrecke ging es in die Sanddünen, wo uns die Pferde zuverlässig durch tiefen Sand die Dünen nach oben zum Picknick getragen haben. Nach einer ½ Stunde Pause mit Leckerli für Pferde und Reiter ging es zurück. Hier durften einige zum ersten Mal einen richtigen Sandsturm erleben, die Straße musste ständig mit großem Gerät freigehalten werden. Nach ca. vier Stunden in Schritt, Trab und kurzem Galopp waren wir wieder am Stall. Absatteln, Hufe kontrollieren und  reinigen und die Beine abspritzen. Das Pferd in die Box bringen. Dort gab es noch kräftiges Heu, eine Art Heu aus getrocknetem Getreide.

Morgen geht es in die Berge. Es war ein schöner Tag.

 

Reittag 2: 28.12.2016

Wir haben uns heute für 9:30 am Stall verabredet.  Pferde aufbereiten und bereits 10 Uhr waren wir unterwegs. Auf in die Berge, in die umliegenden Naturreservate. Im Schritt durch unberührte, wild wuchernde Natur. Entgegen der Ankündigung von Klaartje haben wir kaum Begegnung mit freilaufenden Pferden, Schweinen, Schafen, Ziegen und Eseln. Bis die Pferde leicht aufschreckten, da war er, der Gänsegeier mit mächtigen Schwingen hob er ab aus einem Baum, kaum 10 Meter entfernt. Schade, dass wir nur einen Geier so hautnah erleben durften. Bei der Kirche Modana de la Luz haben wir Rast gemacht. Nach einer halben Stunde ging es zurück. Einfach schön. Da es die Wochen zuvor geregnet hatte, präsentierte sich die Landschaft in saftigem Grün und mit wasserführenden Bachläufen. Zurück durch Weiden mit mächtigen Rindern mit viel Jungvieh, „naja der Stier von Barcelona“, auch wenn wir in Andalusien waren, war beeindruckend präsent.

Zuhause angekommen hat sich Thomas, der seines Zeichens Marketingleiter eines Konzerns ist, als ausgebildeter Hufpfleger (http://www.hufmueller.com) geoutet und zwei Pferden eine rundum Pediküre – die Pferde laufen barfuß – verpasst. Ich durfte helfen.

 

Reittag 3: 29.12.2016

Bei Sonnenschein und Sturmböen bis 60km/h sind wir gestartet. Es geht zum Strand. Auf dem Weg dorthin wächst saftiges Grün, sodass wir bereits diese Passagen getrabt sind, damit sich die Pferde nicht im saftigen Gras „festbeißen“. Wir ritten entgegen der aufgehenden Sonne im Sandsturm am Strand und im seichten Meerwasser. Am Meer entlang im Sand macht das Laufen den Pferden trotz kräftiger Windböen und Anstrengung riesigen Spaß. Man glaubt es kaum, dass ein Sandstrand mit einer Breite von 100 bis 250 Meter so viele unterschiedliche Bodengegebenheiten bietet, von Wasserwaten, tiefen Sand durchqueren, harte Sandpassagen und dann dem Wind trotzen. Mittags hat sich Thomas die Hufe von mehreren Pferden vorgenommen, diese inspiziert und die Kleinigkeiten korrigiert. Viel Arbeit steckte er in den Hengst von Klaartje, er korrigierte die Stellung der Hinterhufe und entfernte beginnende Huffäule. Wie auch bei uns ist es schwer, gute oder sehr gute Hufschmiede zu bekommen, sodass Klaartje über die Expertise von Thomas sehr froh war. Am Nachmittag hatten wir zur großen Freude aller noch einmal den Strand im Programm, dieses Mal ohne Sturm.

 

Reittag 4: 3.12.2016

9:30 Start. Auf geht es ins Hinterland zu den Korkeichenwäldern. Der Weg dorthin führt uns vorbei an halbwilden  Rotten von iberischen Schweinen, freilaufenden Pferden, Eseln von Groß- bis Gattung Zwergesel. Dass der Weg uns durch Kuhherden führt ist selbstverständlich, und wer die Augen in die Lüfte richtet, kann Falken und Bussarde sehen. Neben den zahlreichen Kuhreihern sind auch Silberreiher und ein einzelner Adebar zu entdecken. Dass Korkeichen 30 Jahre benötigen, damit die Korkrinde nachwächst, haben wir auch erst hier gelernt. Was das Kulinarische angeht haben wir heute echten iberischen Schinken gegessen, ein Traum. Angeblich ernähren sich diese freilaufenden iberischen Schweine nur von Eicheln und deshalb ist deren Schinken so einzigartig geschmackvoll. Restaurantempfehlung: Tarifa „La Casona“.

 

Reittag 5: 31.12.2016

Letzter Tag, neue Uhrzeit. 10 Uhr 30 am Stall, 11 Uhr auf zum Strand. Trotz stürmischen Windes hatten wir einige tolle Galoppaden. Danach nochmals ins und durch das Hinterland zu einer typischen iberischen Gaststätte. Nachdem wir unsere Pferde versorgt und unsere Plätze unter dem Vordach eingenommen hatten, kamen zwei Spanier auf deren Andalusiern zur „Schaustellung“ vor das Restaurant. Nicht alle unserer Gruppe waren von der Anwendung der Saretta begeistert. Nach Salat, Muscheln und Fisch ging es zurück zum Stall. Wieder vorbei an Kühen und Pferden im Galopp und Trab konnten wir die üppige Naturlandschaft bewundern. Ein einzelner Weißstorch stand an einem kleinen Weiher an der Strecke, wiederum jede Menge Kuhreiher und auch einige Silberreiher.

Was ist mein Fazit: Es waren wunderschöne fünf Reittage mit angenehmen Mitreitern. Ein kleiner Wermutstropfen, der Wind, der den gut ausgebildeten Pferden nichts anhaben konnte, nur mir, denn ich musste ständig meinen Hut festhalten.

 

Silvester im Hurricane Hotel Tarifa km78 in Spanien

Das Hotel ist am Meer gelegen und hat, man glaubt es kaum, nur zwei Sterne. Festlich gedeckte Tische wie im 5-Sterne-Hotel, das Festtagsmenü zu erstaunlich günstigen Preisen. Klar haben wir gebucht, ansonsten wäre das Feiern im Hotel oder der Umgebung unmöglich gewesen. Das Essen war toll, der Wein hervorragend. Zwischenzeitlich wurden Päckchen mit „Klamauk“ verteilt: Nase, Brille, Hütchen, Konfetti und Tuten/Tröten und die Menschen haben sich maskiert, der Sekt wurde bereitgestellt. Zusätzlich wurden für jeden Gast Päckchen mit zwölf Weintrauben bereitgestellt. Interessant wurde es, als ein Hotelangestellter mit einer riesigen Paella Pfanne und einem Nudelholz auf einen Stuhl stieg. Zwölf Sekunden vor Mitternacht wurde jede Sekunde ein „Gongschlag“ ausgeführt und jeder im Saal, wie in Spanien üblich, steckte sich eine Weinbeere in den Mund. Pro Gong eine. Zum Schlag Mitternacht schluckte man die zwölf Weinbeeren hinunter und formulierte in Gedanken seinen Jahreswunsch.  Man prostete sich zu und wünschte sich gegenseitig das Allerbeste fürs neue Jahr. Einfach ein gelungenes Fest. Was wir Mitteleuropäer ggf. vermissen ist das Feuerwerk, also das Abschießen von Feuerwerkskörpern und Knallkörpern. Nun ja, auf letzteres kann ich persönlich verzichten, schon der Tiere wegen.

Ein friedliches Neues Jahr 2017  wünscht Euch allen Kurt Jelinek. (http://www.iys.at)

In den nächsten Blog-Ausgaben werde ich Euch von unserem Weg zum Wanderreiten und über die  Erlebnisse auf 12 weiteren Wanderritten aus dem Jahr 2015 bis Ende 2016 berichten.

Written by Kurt Jelinek